Es ist unfassbar, wie sich der Prozess um den Tod von Jonny K. zu einer Farce sondergleichen entwickelt. Man könnte meinen, man wohnt einem schlechten Theaterstück bei, wenn man die Entwicklung des Prozesses verfolgt. Wen wundert es, dass einem Schöffen der Kragen platzt und, offenbar als einer der wenigen in diesem Saal, Tacheles redet. Sicher hat er mit seiner Äußerung der Verhandlung einen denkbar schlechten Dienst erwiesen, menschlich jedoch ist sie absolut verständlich. Wie kann es sein, dass sich der Richter vor einem Angeklagten rechtfertigt, dass Anwesende eines Gerichtsprozesses nur unter Angst und Unwohlgefühl teilnehmen können und wie kann man eine in der Luft schwebende Aggressivität, verursacht durch Sympathisanten der Angeklagten dulden? Wenn es denn nicht anders geht, muss man die Öffentlichkeit ausschließen und auf die Anwesenheit der Presse beschränken. In diesem Prozess sollte es um Gerechtigkeit gehen, um die Ermittlung eines angemessenen Strafmaßes und um Aufklärung. Das ist Aufgabe aller in diesem Prozess involvierten Menschen auf beiden Seiten. Alles andere ist nicht akzeptabel und verlängert den Schmerz der Angehörigen unnötig. Meinen Respekt der Schwester von Jonny für ihre Stärke und ihren Kampf gegen das schnelle Vergessen.
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ESC - der Achtundfünfzigste
@ 2013-05-19 – 10:12:58
Zum 58. Mal fand am Samstag der Eurovision Song Contest statt, ausgerichtet in Malmö.
Im Großen und Ganzen waren die Beiträge in desem Jahr ziemlich poplastig. Zu ihnen gehörten die Beiträge aus Litauen, Belgien, Dänemark, Irland und Deutschland, obwohl mich persönlich der Song von Cascada zu sehr an den Vorjahressiegertitel „Euphoria“ erinnerte. Natürlich fehlten auch die Balladen nicht. Dafür sorgten Russland und Aserbaidschan. Ungewöhnlich interessant fand ich den ungarischen Beitrag, verstörend dagegen den Niederländischen. Ein Song über Vögel, die tot vom Dach fallen passte irgendwie so gar nicht in den ESC. Auch dem rumänischen Song konnte ich nicht wirklich etwas abgewinnen: Ein Countertenor, der offenbar einen Vampir mimte ...
Überrascht war ich dann doch über Bonnie Tyler. Der Song war besser, als ich vermutete.
Der Eurovision Song Contest wäre nicht, was er ist, wenn sich bei ihm nicht auch nervige Songs präsentieren würden. Diesen Part übernahmen diesjährig Island, Griechenland und Italien.
Gewonnen hat letztendlich Dänemark. Meine Favoriten waren Schweden und Ungarn.
Deutschland schaffte es leider nur auf den 21. Platz obwohl der Song einen viel besseren Platz verdient hätte. -
Sag nicht, ich bin schwul
@ 2013-05-01 – 21:24:33
„Wir sind großartige Schauspieler weil wir Angst haben, die Leute wissen zu lassen, wer wir wirklich sind.“
Ein Zitat des ehemaligen US-Nationalfußballspielers Robbie Rogers aus einem Interview nach seinem Outing als schwulen Menschen. Jeder ungeoutete homosexuelle Mensch weiß, wie dieser Satz gemeint ist wenn man sich die Diskussionen in Deutschland und der Welt in punkto Zusammenleben jedem nach seiner Fasson, Homo-Ehe, Rechtsgleichheit und anderes ansieht.
Eigentlich müsste sich jeder fortschrittliche weltoffene Mensch doch denken, hey, warum muss sich in der heutigen Zeit überhaupt jemand verstecken weil er ist, wie er ist? Homosexualität ist schließlich keine Krankheit. Sie ist nicht angeboren und nicht durch Krankheit entstanden. Kein Mensch, der bei sich die Neigung zum eigenen Geschlecht feststellt, ist darüber glücklich. Schließlich hat er sich das nicht so ausgesucht und kein Wunsch der Welt wird in dieser Lebensphase größer sein, als der Wunsch nach Normalität - sollte man meinen. Doch hier liegt der Fehler im Gedanken. Was ist hier normal oder unnormal? Wer hat das Recht, sich anzumaßen, hier eine Entscheidung zu treffen? Es sind die Menschen, die von sich behaupten, normal zu sein.
Es ist überfällig, hetero- wie homosexuelle Menschen ohne Wenn und Aber gleich zu stellen. Alles andere wäre Diskriminierung und mittelalterliches Provinzdenken.
Die Journalistin Silke Burmester hat diesbezüglich eine sehr interessante Kolumne veröffentlicht. Etwas satirisch aber perfekt, sich mit seinen eigenen Gedanken zu diesem Thema beschäftigen zu können, vorausgesetzt, man hat den Willen dazu und ist neugierig einfach einmal eine andere Betrachtungsperspektive kennzulernen.Vielleicht eröffnet nach dem Lesen ein neuerliches Nachdenken ja auch ein Umdenken, wenigstens aber ein Überdenken der eigenen Auffassungen von Toleranz und Gleichbehandlung, der Begriffe „normal“ und „unnormal“.
Vielleicht steht irgendwann in der Zukunft nicht mehr die Frage im Raum, muss ich mich outen oder wird ein Outing zum geworfenen Knüppel zwischen den Beinen.
Wir würden viele unentdeckte großartige Schauspieler verlieren, aber wir würden genauso viele glückliche Menschen neben uns gewinnen und jeder weiß dann, wer wir wirklich sind.Hier der Link zum Artikel von Silke Burmester:
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/silke-burmester-ueber-die-gleichstellung-von-homosexuellen-a-887295.html -
Berlins Ungewöhnlichkeiten
@ 2013-04-26 – 20:12:26
Berlin ist eine ungewöhnliche Stadt. Das weiss jede/r, der hier lebt. Daher dürfte es nicht überraschen, wenn hier wieder etwas geschieht, worüber in anderen Städten nur ungläubig mit dem Kopf geschüttelt wird.
Es gibt nämlich bei der Vergabe der Namen für Berlins Straßen und Plätze eine Frauennamenquote. So weit ist das okay. Nun sollte der Platz vor dem Jüdischen Museum in Friedrichshain-Kreuzberg in Moses-Mendelssohn-Platz benannt werden und genau hier beginnt eine neue Ungewöhnlichkeit in unserer Stadt. Pech für Herrn Mendelssohn ist nämlich, dass die Quote gegen die Vergabe eines männlichen Namens spricht. Von der Person abzuweichen kam aber auch nicht in Frage. Ein Frauenname musste trotzdem her. Also kam man auf die spitzfindige Idee, Dank der Heirat Moses Mendelssohns mit Fromet Guggenheim den Platz mit dem wohl außergewöhnlichsten Namen der Welt zu benennen: Ehepaar-Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz. Wir dürfen gespannt sein, wie lang das Straßenschild dafür sein wird und oder ob es für seine Größe auch eine Regel gibt. Fortsetzung folgt? -
Deutschlands TV macht sich lächerlich
@ 2013-03-24 – 21:07:33
Gestern abend konnte man erneut erleben, wie sich das deutsche Fernsehen lächerlich machen kann. Abstruse Wetten, die weder besonders neu noch einfallsreich waren bestimmten den Verlauf der Sendung, unterbrochen von ellenlangen, überflüssigen Gesprächsversuchen mit den Gästen, die sich sichtlich langweilten. Wen interessiert schon, ob man am Zuklappgeräusch eines Toilettendeckels das Modell erkennen kann? Und was ist der Sinn eines Wettfahrens auf Toilettenbecken? Warum saß Frau Lauterbach mit auf der Couch? Ich fragte mich, ob man sie kennen muss und in Zukunft bei den Zahnärzten auch die Zahnarztfrauen mit im Behandlungszimmer sitzen. Markus Lanz wirkte permanent farblos, während Cindy aus Marzahn krampfhaft versuchte, mit vermeintlicher Witzigkeit zu retten, was nicht zu retten war. Oliver Pocher ließ sich mit Fußbällen beschießen, wobei nicht klar wurde, warum eigentlich. Herr Lanz versuchte vergeblich witzig zu sein indem er Gottschalks Mottospruch änderte in "Top, der Hintern quillt!". Die Krönung war das Lanz´sche Bad in einer mit Schokolade gefüllten Wanne.
Ich sah mir die Sendung eigentlich nur an, weil nichts anderes im TV lief und es war bestimmt auch das letzte Mal. Es wäre besser, "Wetten, dass?" abzusetzen und damit den Mythos einer guten Show zu erhalten. -
Der Fall mit dem Kreuzworträtsel
@ 2013-02-21 – 18:14:04
Ich habe den "Kreuzworträtselfall” als Verfilmung des Mordfalls an dem 7-jährigen Lars im Rahmen des "Polizeiruf 110” mehrere Male gesehen und immer wieder war ich betroffen. Nun hat Frau Apel als in den Fall involvierte Ex-Freundin des Täters ein Buch darüber geschrieben und ich frage mich, wie eine Frau viele Jahre lang mit dem Wissen solcher Details leben konnte, zumal sie Mutter zweier Kinder ist. Es kann wohl keine Erklärung sein, sie wäre ein unter Schock stehender naiver Teenager gewesen. Sollten diese, im Buch beschriebenen faktischen Details der Wahrheit entsprechen und mit den damaligen Akten konform sein, sollte der Fall umgehend neu untersucht werden in Hinsicht einer Mittäterschaft zumindest aber wegen unterlassener Hilfeleistung und vorsätzlicher Verschleierung einer schweren Straftat.
Allerdings hatte ich auch den flüchtigen Gedanken, Frau Apel könnte sich vieles ausgedacht haben, was das Buch spannender machen und den Verkauf des Buches forcieren soll. Wenn dem tatsächlich so ist, hat sie wohl die Konsequenzen unterschätzt, die unweigerlich als Reaktion der Öffentlichkeit folgen werden.
Wie dem auch sei, ich denke, ich werde ein solches Buch unter den gegebenen Umständen auf keinen Fall kaufen. -
Der falsche Ort für ein richtiges Anliegen
@ 2013-02-10 – 18:52:21
Am Donnerstag fand die Eröffnung der 63. Berlinale statt. Kurz vorher stürmten drei Aktivistinnen der Femen die Veranstaltung. Unbestritten ist die Notwendigkeit solcher Provokationen, zumal es immer noch gesetzlich legale Beschneidungen an Mädchen und auch Jungen gibt, wie unter anderem die jüngste Gerichtsentscheidung in Deutschland zeigte.
Zweifelhaft ist jedoch der Ort und die Zeit. Öffentlichkeit ist nötig und erwünscht, allerdings verpufft ein solches wichtiges Anliegen wie das der Femen unter dem Trubel einer Veranstaltung wie der Berlinale. Ich denke, eine Demonstration in der Berliner Innenstadt wäre der bessere Ort mit der perfekten Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gewesen. So wie geschehen redet man zwei, drei Tage oder vielleicht sogar eine Woche darüber, danach ist nichts mehr übrig.
Ein Thema wie der Protest gegen Beschneidung und Sexismus aber braucht permanente Präsenz in den Köpfen der Menschen um langfristig Erfolg zu haben. -
Katrin Sass und "Das Dschungelcamp"
@ 2013-02-01 – 18:56:52
Katrin Sass hat eigentlich nur ausgesprochen, was jeder anspruchsvolle Fernsehzuschauer denkt. Zugegebenermaßen etwas im Ton vergriffen war der Adressat vielleicht nicht der Ideale. Doch wer behauptet, eine Sendung wie "Das Dschungelcamp" hätte es geschafft "wirkliche Realität" herzustellen, darf sich eine heftige Reaktion durchaus gefallen lassen. Auch ich dachte, es könne nur ein Witz sein, einem derart flachen und niveaulosen Format den Grimme-Preis zu verleihen. Immerhin vergessen hier einige Leute, das Mitleid mit den Kandidaten völlig deplatziert ist, unterschreiben sie ihre Teilnahme ja gegen einen Gewinn von immerhin 50000 Euro und für die Befriedigung der eigenen Eitelkeit, wieder oder überhaupt in die Öffentlichkeit zu treten.
Diese Sendung ist und bleibt nun einmal was sie ist: Müll! -
Die Wichtigkeit der eigenen Auffassung
@ 2012-12-26 – 15:54:42
All zu oft denken wir beim Sehen, Hören oder Lesen, unsere Meinung ist die einzig Richtige.
Sie ist das Resultat unserer Empfindungen über Dieses oder Jenes und nicht selten verstehen wir die Welt nicht mehr, wenn etwas anders geschieht, als wir es entschieden hätten, hätten wir die Möglichkeit dazu gehabt.
In einem solchen Gefühl stecke ich momentan. Der Grund ist der Amoklauf in Newtown. Wieder einmal entbrannte die Diskussion über eine Änderung des Waffengesetzes in Amerika. Sicher hängt an der derzeitigen Gesetzeslage ein großer Industriezweig, eine Einnahmequelle und viele Jobs. Doch sollten diese Argumente der Waffenlobby nicht über auch nur ein einziges Menschenleben gestellt werden.
Mit Beibehaltung der Waffenfreiheit wird der Boden geebnet für das nächste Unglück dieser Art und deshalb ist jetzt die Zeit, dieses Gesetz zu ändern, besser noch ein Verbot aller Waffen für Privatpersonen zu erlassen.
Wenn jemand behauptet, mit der Abschaffung des Waffenbesitzes in seiner persönlichen Freiheit eingeschränkt zu werden, sollte sich jeder fragen, warum für diese Freiheit Menschen sterben müssen.
Wie gesagt, manchmal ist die eigene Meinung nicht immer die Richtige und das muss auch die Waffenlobby für sich erkennen.
Ich habe lange überlegt, ob meine Meinung eine Richtige ist und kam zu dem Schluss, sie ist es und sollte es auch für andere sein.Darum hier mein Fazit: Entwaffnet Amerika und den Rest der Welt!
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Der 14. Oktober 2012
@ 2012-12-17 – 23:10:25
Wir stecken mitten in der Weihnachtszeit und versuchen uns irgendwie in einen inneren Frieden und eine perfekte Harmonie hinein zu manövrieren. Dazu machen wir es uns zu Hause gemütlich, zünden Kerzen an und dekorieren die Wohnung weihnachtlich. Danach stürzen wir uns in das Getümmel in den Kaufhäusern, lassen uns von unzähligen Weihnachtsliedern berieseln um den Tag schließlich auf einem der zahlreichen Weihnachtsmärkte mit einer Riesenradfahrt oder einem Glühwein ausklingen zu lassen.
Gestern war ich auf dem Alexanderplatz, ging vorüber an den bunten Lichtern, den Buden, aus denen es verführerisch nach gebrannten Mandeln oder Glühwein duftete. In der Ferne leuchtete das Riesenrad auf dem Weihnachtsmarkt. Ich hätte mich gut fühlen können. Doch etwas störte. Es war der Pavillon in der Rathausstraße, in dem hunderte Kerzen brannten und in einem Blumenmeer massenweise Briefe lagen. Der Pavillon, der an der Stelle steht, an dem am 14. Oktober 2012 der zwanzigjährige Jonny zu Tode kam weil er einem von Schlägern bedrängten Freund helfen wollte, vernichtete jeden Gedanken an ein frohes Fest inmitten von Harmonie.
Lange stand ich da und in meinem Kopf hämmerte der Gedanke an seine Familie. Wie mögen sie sich fühlen an diesem Weihnachtsfest in diesem Jahr.
Einen Augenblick dachte ich, ich sei wütend, doch ich war es nicht. In mir war nur Traurigkeit, die blieb, bis heute ...